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Motocross Enduro Ausgabe 11/2020

Um den November-Blues erst gar nicht aufkommen zu lassen, präsentieren wir euch auch in dieser Ausgabe wieder spannende und interessante Themen. So gibt es nach längerer Abstinenz endlich wieder quer Beet Neues von unserem geliebten Racing zu berichten. Marko Barthel machte sich auf den Weg nach Bielstein, um dort die Yamaha Europe YZ 250 F Launch zu besuchen. Was ihn besonders beeindruckte, erfahrt ihr ab Seite 16. Der Umstieg von einer 85er auf eine 125er ist nicht immer leicht. Um das Thema einmal am „lebenden Objekt“ aufzuzeigen, haben wir uns als Gasttester den 13-jährigen Lucien Weißwange, für den der Umstieg unmittelbar bevorsteht, eingeladen. Ab Seite 26 schildert Lucien, wie er mit der Husqvarna TC 125 zurechtkam. Technik-Experte Marcus Kehr gibt euch ab Seite 36 Tipps, wie ihr die Gabelsimmerringe am professionellsten reinigt.

KOLUMNE RICCARDA VAN

KOLUMNE RICCARDA VAN WINGERDEN Die erste Reihe startete, es ging um einen Erdhaufen und im Anschluss gleich eine kleine Auffahrt hinauf. Hier gab es schon erste Teilnehmer, die es nicht schafften hochzufahren. Ich zu meinem Freund: „Was zur Hölle machen die da?“ Wir gingen an der Strecke entlang und ich sah die Fahrer unterschiedliche Wege fahren. Was ich zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht verstehen konnte, war, weshalb jemand in einem „Rennen“ freiwillig den weiteren Weg (gelb oder grün ausgeschildert) nimmt, anstatt gleich alles „rot“ zu fahren und somit schneller zu sein. Ich erinnere mich noch an einen Satz, den ich sagte: „Wieso kommt der Typ da denn das Hügelchen nicht hoch! Das ist doch wie Fahrradfahren, nur viel leichter und nicht so anstrengend, man hat ja einen Motor!“ (Lacht). Dieser Sport hat mich von Beginn an begeistert. Dass mir meine große Klappe noch leid tun würde, wussten alle außer mir. Das Einzige was ich wirklich wusste war, dass ich auch fahren will. „... nächstes Jahr starte ich hier und ziehe alle ab!“ Vorher brauchte ich erstmal ein Moped. Mein Freund suchte im Netz nach etwas geeignetem für den Einstieg und wurde im April 2017 fündig. Eine KTM Freeride 250 R zog ein. Das Motorrad war da. Mitte April durfte ich dann das erste Mal ins Gelände. Wir fuhren zum MSC Freden bei Alfeld (Leine). Es regnete Bindfäden, die Strecke war eine Schlammkuhle. Völlig blauäugig war ich sicher, dass ich ohne Probleme Eindruck machen würde. War auch so. Nur nicht beim Fahren, sondern mit meiner großen Klappe. Die gesamte Schutzkleidung übernahm ich vom Sohn meines Freundes. Nur Motorradfahren konnte ich halt nicht. Fragen über Fragen schossen mir durch den Kopf: Was hab’ ich mir nur dabei gedacht? Weshalb hatte ich nur eine so große Klappe? Wie schalte ich? Wie bremse ich? Wo ist der erste Gang? Woher weiß ich, in welchem Gang ich bin? Und wie zur Hölle kann man dieses Gerät denn vom Hänger abladen, ohne samt Moped abzustürzen? Na ja, mein Freund fuhr los, nachdem ich gesagt hatte, ich kriege das schon alles hin, ich weiß ja jetzt schließlich wie es geht. Ich versuchte nun das Anfahre, um vom Parkplatz auf die Strecke zu gelangen. Man muss aber auch dazu sagen, dass der Parkplatz etwas Schräglage hat. Als die ersten Fahrer bereits Pause machten, war ich gerade an der Einfahrt zur Strecke angekommen. Aber als es dann losging, habe ich für eine halbe Runde ca. 40 Minuten gebraucht. Die Freeride wog nun schon gefühlte 20 kg mehr, wurde durch den klebrigen Schlamm auch immer schwerer und jeder Umfaller kostete mich viel Kraft. Wut stieg tief aus dem Bauch heraus auf. Ein Vereinsmitglied hielt an und fragte: „Na, hast Spaß?“ Ihr wollt nicht wissen, was ich dachte! Am liebsten hätte ich das Moped einfach an Ort und Stelle liegen gelassen und wäre zu Fuß nach Hause gegangen! Alleine. Ohne jemandem jemals etwas davon zu erzählen. Aber ich erinnerte mich an meine großkotzigen Worte, grinste blöd, biss die Zähne zusammen und antwortete: „Jaaa, sehr viel Spaß. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen.“ Aber, aufgeben ist der falsche Weg. Also zog ich es durch und konnte am Ende des ersten Tages tatsächlich eine Kurve im Schlamm fahren. Ein echter Erfolg! Es folgten jede Menge weitere Fahrtage. Niemand glaubte wirklich, dass ich 2017 nach nur zirka sechs Monaten Training tatsächlich bei „Vor den Toren Hannovers“ starten würde. Vielleicht musste ich es gerade deshalb versuchen, weil es mir eben niemand zutraute, außer ich mir selbst. Natürlich. Ich habe eine (!) ganze Runde geschafft. Ich war die langsamste Teilnehmerin in dem Jahr und frustriert von diesem Ergebnis. Aber, keine Zeit zum Weinen. Es ging weiter. Mein Freund zog mich immer tiefer in die „Szene“. Hier war jemand sehr motiviert, mich mitzureißen. Er zeigte mir die große, weite Endurowelt. In dieser tritt natürlich auch das bekannte Erzbergrodeo in Erscheinung. Große Klappe? Kann ich :-) Also, auf zum Erzbergtraining im April 2018. Spaß machte es zu jeder Zeit, nur Bock hatte ich zwischendurch keinen mehr. Nützt ja aber nichts auf einem Berg in Österreich. Erst als ich fluchend und keifend auf einem schmalen Singletrail mit Gegenverkehr und Hanglage mit dem Hinterrad abrutschte, mich bergen lassen musste, dann wieder abrutschte und anschließend völlig eskalierte, ging es wieder. Ein Fahrer des Gegenverkehrs filmte meinen Ausraster mit seiner Helmkamera. Das war das Highlight des Tages für alle. Den Singletrail hatte ich überwunden und war auch schon wieder oben auf. Als eine Fahrerin zurück ins Fahrerlager wollte, wurde ich gefragt, ob ich nicht auch lieber mit runterfahren möchte. Was? Ich? Ich habe doch Spaß. Und ehe ich mich versah, fuhr ich stumpf dem Guide über ein großes Steinfeld am Abgrund hinterher, ohne diesen wahrzunehmen. Tja, dann hab ich es jetzt wohl drauf. Nach diesem Trip zum Erzberg musste ich leider erstmal bis Mitte 2019 aufgrund einer Fuß-OP, die aber nicht die Folge des Endurofahrens war, pausieren. In der Krankheitszeit brachte der Weihnachtsmann dann zu allem Überfluss auch noch eine Beta 200 RR und ich entwickelte mich allmählich zum Möchtegern-Enduro- Profi. (Lacht). Als ich zurück ins Training konnt, war ich motiviert bis nach Meppen und zurück. Mit der Beta lief es dann so richtig gut. Wir ließen das Fahrwerk überarbeiten und auf meine Größe anpassen. Das war immens wichtig, da ich nun auch mit Hardenduro-Training begann und mit den Füßen nicht in jeder Situation auf den Boden kam. Dadurch konnte ich mich gedanklich nicht richtig frei machen. Denn mit Angst, flauem Gefühl oder Zögern kommt man in diesem Sport nicht weit und hemmt sich selbst. Ich trainierte, wann immer ich dazu kam. Außerhalb des Endurofahrens ist Ausdauer- und Krafttraining sowie die richtige Ernährung ein großer Teil meines Lebens. Die Mischung von allem, gepaart mit Spaß und Begeisterung macht dich erfolgreich und stolz. Nach einigen Rennen beim Offroadscramble und ewigen Drittplatzierungen konnte ich 2020 meinen ersten Sieg beim 4h Enduro „Rund um den Hummelberg“ beim MSC Schönebeck erzielen! Ich war stolz wie Bolle und ich kann euch sagen: Wenn ihr wirklich Spaß an diesem Sport habt und bereit seid, das Nötige dafür zu tun, dann hält euch keiner mehr auf! Ich hatte zu Beginn so viele Zweifel. Von „Ich halte alle auf“ über „Ich stehe im Weg rum“ bis hin zu „Ich bin immer die Schlechteste“ war alles dabei. Aber es lohnt sich durchzuhalten. Und am Ende des Tages denkt das eben niemand von Dir. Schon gar nicht die Männer ;-) Wir lesen uns ... eure #Ricci405 (www.ricci405.de) 52 MOTOCROSS ENDURO

Nach dem Training von EnduroPro in Schweinfurt mit Trainer Patrick Strelow, klappte das mit den Baumstämmen schon viel besser...

Motocross Enduro / Ausgaben 2014-2020

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